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highlandgames
Besucht man "Highland-Games" in unseren Breiten, so wird sich bestimmt schon so mancher aus dem Publikum die Frage gestellt haben: "Was um Himmels Willen bewegt diese Burschen hier, dass sie meterlange Baumstämme und teuflisch schwere Steine und Gewichte durch die Gegend schleudern?" Vor allem aber auch: "Wie kamen diese Mannen überhaupt auf diese Idee, in solch ungewohnten Wettkämpfen sich zu messen?"
Nun, der Grund darin liegt wohl in einer schottischen Tradition, die über Jahrhunderte zurück ihren Ursprung fand.

Die Geschichte der Bewohner des schottischen Hochlandes (Highlands) ist eng verbunden mit der keltisch-irischen Tradition. Die Scoten, nach denen das Land später benannt wurde, stammen ursprünglich aus Irland. Etwa mit Beginn des 6. Jahrhunderts kam es zu einer ersten Verbreitung keltischer Einflüsse zunächst im westlichen Teil Schottlands, dem heutigen Argyllshire. Zu diesen Einflüssen zählen, neben der gälischen Sprache, auch die zu jener Zeit in Irland regelmäßig stattfindenden "Tailteann Games". Hierbei handelt es sich um festliche Versammlungen, bei denen unter anderem sportliche Übungen, wie etwa das "Stone Throwing" und "Foot Racing", praktiziert wurden. Eine Theorie zur Entstehung der Highland-Games führt uns in das 11. Jahrhundert.
Der schottische König Malcolm III. (1054-1093 n.Chr.) richtete zu jener Zeit sportliche Wettkämpfe in "Braes of Mar" aus, um die besten Männer für seine Leibgarde herauszufinden. Besonders honoriert wurde dabei der Gewinner des Laufes auf den Berg "Craig Choinich". Dieser wurde zum persönlichen Botenläufer des Königs bestellt und erhielt den "Baldric" (Gürtel mit königlicher Schnalle) als Auszeichnung.

König Malcolm III.
Noch heute finden jährlich im September die "Braemar Highland Games and Gathering" statt, bei denen freilich auch der Gipfellauf nicht fehlen darf. Dieser Veranstaltung wohnte im Jahre 1848 auch die schottische Queen Victoria von England bei, welche diese Spiele fortan überaus unterstütze und somit für deren Popularität sorgte. Noch heute stehen die "Braemar Gatherings" unter der Schirmherrschaft der Queen, die ihnen auch stets eine Stunde beiwohnt.

Die Besinnung auf die eigenen keltischen Ursprünge, die sich etwa seit dem 14. Jahrhunderts immer deutlicher herausbildete und den eigentlichen Mythos des "Highland way of life" begründete, beeinflussten das Selbstverständnis der Hochlandbewohner nachhaltig. Bestimmte Traditionen wie z.B. "The playing on the bagpipe", "Highland-Dancing" oder "wearing of tartan dress" wurden zu Symbolen nationaler und kultureller Identität. Im Rahmen so genannter "Highland Gatherings", welche in der Regel im Herbst nach der Ernte stattfanden, nutzen befreundete Clans die Gelegenheit, um sich auszutauschen, Geschäfte zu tätigen und um die gemeinsamen Traditionen aufleben zu lassen. Zu diesen Feierlichkeiten, bei denen nicht selten feindliche Übergriffe geplant wurden, gehörte auch die Demonstration körperlicher Kraft und Stärke, welche vor dem Hintergrund der damaligen Lebensumstände überlebenswichtig waren. Ihre Darstellung diente also nicht nur der Unterhaltung oder der Pflege kultureller Überlieferungen, sondern auch der Selbstvergewisserung über Macht und Einfluss.

Die heutigen Highland-Games sind somit eine moderne Fortsetzung keltischer Traditionen. Mittlerweile gibt es beinah in jedem schottischen Ort im Sommer Highland-Games, die jedes Jahr um die selbe Zeit stattfinden, z.B. am zweiten Donnerstag im Juli.
Die Teilnehmer der Highland-Games sind zum einen Profis, die von einem Ort zum anderen reisen und somit ihren
Unterhalt mit den Siegprämien oder dem gewonnen Whisky verdienen. Andererseits besteht die Möglichkeit für jedermann an diesen Spielen teilzunehmen. Hier gibt es für überragende Leistungen schließlich Sachgeschenke, wie eben Whisky oder lokale Nahrungsmittel, Andenken etc.. Kinder und Jugendliche für den Sieg Geldgeschenke von bis zu £ 50.-.

Braemar Highland Games and Gathering
Die Highland Games bestehen aus verschiedenen Events: "Heavy Events", "Light Events", andere athletische Wettbewerbe, Tanzwettbewerbe, Musikwettbewerbe, Ausstellungen der örtlichen Farmer, Schafhüte-Wettbewerbe, Kirmes mit Karussells usw., Imbissbuden, Verkaufsbuden für Kleidung über Souvenirs bis hin zu Antiquitäten. Kurz gesagt: Highland Games sind in Schottland nicht bloß sportliche traditionelle Wettkämpfe, sondern wahre Volksfeste für jung und alt.

"Heavy Events"
Tossing the Caber
Tossing the Caber:

Bei der so genannten Königsdisziplin wird ein etwa 5 bis 6 Meter langer und 35 bis 60kg schwerer Baumstamm aus der senkrechten Position so geworfen, dass sich dieser einmal überschlagen muss. Die Bewertung geschieht nicht nach der erreichten Weite, sondern nach dem Winkel, mit dem der Baumstamm nach dem Wurf auf dem Boden liegen bleibt. Gemessen wird hierbei auf einem großen Uhrzifferblatt. Der Baumstamm in einer Linie zum Wurf (12:00 Uhr) gilt dabei als Bestmarke, wobei auch Winkel von 10:00 Uhr bis 2:00 Uhr noch als gut gelten.

Weight for Distance:

Das Gewicht (14kg oder 28kg) ist bei diesem Bewerb durch eine kurze Kette mit dem Haltering verbunden. Den Bewegungsabläufen am ähnlichsten noch dem Diskuswurf wird das Gewicht schließlich möglichst weit geworfen (Bewertung nach Weite).



Weight for Distance
Weight over Bar (oder: Weight for Height):

Ein Gewicht von 28kg wird mit einer Hand nach oben über eine Latte (Bar) geworfen. Wer die am höchsten gelegte Latte überwirft hat gewonnen.
Weight over bar
Putting the Stone:

Ähnlich wie beim Kugelstoßen wird der Stein oft auch Stahlkugel (Gewicht: 8kg bis 13kg) vom Wettkämpfer von sich gestoßen. Es zählt hier ebenfalls die erreichte Weite.
Putting the Stone
The Scottish Hammer (oder: Throwing the Hammer):

Dieser Wettbewerb ähnelt sehr dem Hammerwurf aus der Leichtathletik. Jedoch hat der Hammer dabei einen festen Stiel und keine Kette (Gesamtgewicht des Hammers: 8kg bis 11kg). Der Athlet steht hierbei mit dem Rücken zur Abwurflinie und bringt den Hammer in Schwung, indem er ihn über seinem Kopf schwingt. Der Abwurf erfolgt dabei über die Schulter.

Throwing the Hammer
Tossing the Sheaf:

Ein Sack (8kg bis 10kg), meist mit Heu gefüllt, wird mit einer Heugabel wie beim Bewerb "Weight over Bar" über eine Latte nach oben hin geworfen.
Oft wird dieser Bewerb auch auf Weite durchgeführt.

Tossing the Sheaf
Farmer´s Walk:

Wer mit zwei Gewichten zu jeweils 70kg am weitesten gehen kann, ist der Sieger dieses Wettbewerbes.


"Light Events"

Die so genannten "Light Events" umfassen Bewerbe, welche zumindest auf den ersten Blick Disziplinen aus der Leichtathletik ähneln.
So gibt es Laufwettbewerbe ("Hill Racing", "Sprint", "Hurdle Racing" u.a.), deren Spannung dadurch erhöht wird, dass die vermeintlich Besseren mit einem Handicap belastet werden. Hierdurch wird beabsichtigt, den agonalen Charakter der Wettkämpfe zu unterstreichen und möglichst alle Teilnehmer damit zu konfrontieren. Besonders das "Hill Racing" kann es dabei in sich haben: Die Distanz geht typischerweise über eine Meile (1,6 km). Es können hierbei Hindernisse bis zu Felswänden und Bächen zu überwinden sein.
Bekannt sind auch Weit.- und Dreisprungwettbewerbe ("Long Jump" und "Hop-Skip-and-Jump"), bei denen die Wettkämpfer einen beliebig weiten Anlauf nehmen können. Zuweilen kommt es dabei vor, dass eine Sandgrube für die Landung nicht vorhanden ist. Auch wird davon berichtet, dass selbst bei Hoch.- und Stabhochsprungwettbewerben ("High Leap" und "Pole Vaulting") eine besondere Landevorrichtung nicht immer vorhanden ist. Große Höhen werden dadurch zwar nicht erreicht, an dieser Stelle stehen jedoch Mut und Risikobereitschaft der Athleten auf dem Prüfstand.

Bei den hier angesprochenen "Heavy.-" und "Light Events" ging es vor allem in früheren Zeiten nicht um Rekorde, sondern um die direkte Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten. In jedem Wettkampf wurde der jeweils Beste ermittelt, wobei die erzielten Zeiten, Weiten und Höhen nur für den direkten Vergleich der Athleten gemessen wurden. Der "Kampf gegen Zahlen", der im modernen Sport eine so wichtige Rolle spielt, ist erst heute bedeutsam.

Andere athletische Events

Diese Bewerbe sind ebenfalls athletische Wettkämpfe, wobei es hier jedoch keine Profis gibt und diese eher spaßig zu verstehen sind.

Cycle Racing:

Wettrennen mit dem Fahrrad über eine Geländestrecke oder um den Highland-Game-Platz.

Tossing the Wellie:

Weitwurf mit Gummistiefeln (engl. Welllingtons=Wellie). Historisch gesehen hat die um die Sauberkeit im trauten Heim bedachte Hausfrau die dreckigen Gummistiefel, mit denen der Mann das Haus betrat, im "hohen Bogen" hinaus geworfen.

The Haggis Hurl:

Weitwurf eines Haggis (schottische Essens-Spezialität: diese besteht aus dem Magen eines Schafes, "Paunch" genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis ist mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als den meisten Wurstsorten).

Battle Axe Throw:

Zielwerfen einer Kriegsaxt der alten Schotten. Früher galt die Axt als eine wichtige Waffe. Gewonnen hat derjenige, der ein bestimmtes Ziel trifft: Treffen mehrere Teilnehmer, so wird das Ziel weiter weg platziert. Dies wiederholt sich so lange, bis schließlich ein Sieger ermittelt wird.

Musikalische und Tanz-Events
Solo Piping
Tug-o-War:

Seil-Wettziehen zweier Mannschaften im Kilt. Das Team, welches als erstes über den Mittelstrich am Boden gezogen wird, hat verloren.

Piping Competitions:

Hierbei werden Wettbewerbe im Musizieren (meist Dudlsack, engl. Bagpipe oder Pipe) abgehalten. Die "Marching Bands" in schottischer Tracht und einfacher Mütze werden nicht immer beurteilt.


Piping Competition
Massed Bands:

Alle anwesenden Bands stellen sich auf und musizieren und marschieren gemeinsam.

Dancing Competition:

Wettbewerb in schottischen Volkstänzen.

Dancing Competition
Scottish Country Dancing:

Tanz von Gruppen in Reihen zu einer "Fiddle" (Geige).

Gaelic Step:

Stepptanz mit erhobenen oder seitlich abgestützten Armen.

Highland Fling:

Tanz auf der Stelle mit einfachen aber präzisen Schritten.

Sword Dance:

Tanz über zwei gekreuzten Schwertern, welche nicht berührt werden dürfen. Jener Tanz wurde früher von den schottischen Kriegern vor dem Kampf ausgeführt und sollte Glück bringen.
  
Highland Fling
Sword Dance
Solo Piping:

Vorspielen vor einer Jury mit dem Dudlsack.



Solo Drumming:

Vorspielen vor einer Jury mit der "Drum" (Trommel vor dem Bauch).

Pipe Band:

Vorspielen der gesamten Band vor einer Jury
Highland Fling